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	<title>tanjung priok</title>
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	<pubDate>Thu, 17 May 2012 09:37:55 +0000</pubDate>
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		<title>Riding high on Electricity</title>
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		<pubDate>Thu, 17 May 2012 04:58:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
	<category>recensions</category>
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		<description><![CDATA[	Buddy Guy. When I Left Home. My Story
	The man who recently hoaxed the President of the United States he shoud not be shy singing Sweet Home, Chicago, because he himself had heard him already singing. Buddy Guy has a long road behind. The last of those who left the Mississippi Delta for hope of a [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Buddy Guy. When I Left Home. My Story</p>
	<p>The man who recently hoaxed the President of the United States he shoud not be shy singing Sweet Home, Chicago, because he himself had heard him already singing. Buddy Guy has a long road behind. The last of those who left the Mississippi Delta for hope of a better living followed characters like Muddy Waters and Howlin´Wolf. Buddy Guy left Baton Rouge in 1957 with his guitar and came to Chicago where he had to learn a lot.</p>
	<p>The autobiography, written by David Ritz who has delivered an excellent work in making the oral history readable without losing its authenticity is an impotant document of Blues history. Under the titel Buddy Guy. When I Left Home. My Story it tells as well about the extraordinary individual and musician Buddy Guy as about social development of industrial Chicago and different periods of the Blues.</p>
	<p>Arriving in Chicago ment to the youngsters coming up from the Delta being cheap work force in services or the meat factories and heavy industry. After their long and hard shifts they went to the Blues Clubs for dancing out the frustration. Blues, Booze and Sex was program in the clubs, even after nightshift at seven in the morning. There Buddy Guy started playing his kind of Blues for some dollars. During the day he drived trucks and in the night he was on stage. There he got acquainted with Muddy Waters who was a kind of a father to him. We get information about the way Willy Dixon exploited young musicians at the Chess Studios. Despite of the money race the extraordinary role of Chess in the history of Blues becomes as well aware as the visits of later famous musicians like the Rolling Stones who came over the Atlantic in the early sixties for jamming with the protagonists of Electric Blues from Chicago. They have been the Godfathers of the young white bands from Europe.</p>
	<p>In Buddy Guys book we read about the hype of Blues in the fifties and early sixties, the downfall in the seventies, the renaissance in the eighties and nineties. Every time the genuine Blues musicians of Chicago had to suffer or  &#8211; if fate was better &#8211; full pockets but they never have been rich. The main benefit has always been their experience, their knowledge of live which is substantial for playing the Blues. In the original language of Buddy Guy you will get sentences like Go against nature, nature will fuck you. Hitting sequences like that in the face of as white collar raised readers means to give them a rather authentic impression about socialization of the Blues musicians and their simple but deep wisdom. If you have the Blues, so Buddy Guy, you have to play it. And while playing you lose it. Is there anything to add?</p>
	<p>As a musician Buddy Guy in these days is a messenger from a different world. The book  helps to decipher its history in a thrilling way.
</p>
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		<title>Die Theorie der Avantgarde</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 06:38:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
	<category>daily stuff</category>
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		<description><![CDATA[	Nicht nur in den Vorstellungen über Szenarien der Machtübernahme spielte die Theorie der Avantgarde im letzten Jahrhundert eine dominierende Rolle. Abgeleitet aus der Begrifflichkeit des französischen Militärs bedeutete Avantgarde etymologisch eine Vorhut oder Vorabteilung, die fremdes Territorium zunächst erkunden und dann durch die gesammelten Kenntnisse und Fähigkeiten für die heranrückenden traditionellen militärischen Verbände sturmreif machen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Nicht nur in den Vorstellungen über Szenarien der Machtübernahme spielte die Theorie der Avantgarde im letzten Jahrhundert eine dominierende Rolle. Abgeleitet aus der Begrifflichkeit des französischen Militärs bedeutete Avantgarde etymologisch eine Vorhut oder Vorabteilung, die fremdes Territorium zunächst erkunden und dann durch die gesammelten Kenntnisse und Fähigkeiten für die heranrückenden traditionellen militärischen Verbände sturmreif machen sollte. Vor allem die marxistischen und insbesondere die russischen Revolutionäre unter Lenin setzten mit diesen Überlegungen ein historisches Paradigma.</p>
	<p>Begründet durch die begriffliche Dominanz, ließ eine Analogie in der Überlegung zu Zeitenwenden und neuen Machtverhältnissen auch in anderen Bereichen gesellschaftlichen Lebens nicht lange auf sich warten. Avantgarde wurde ein Begriff, der im übertragenen Sinne für den radikalen Wandel stand. Vor allem in der Sphäre der Künste spielte er eine bedeutende Rolle. Aus den verschiedenen, seit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstandenen revolutionären Kunstbewegungen in Literatur, Theater, in den bildenden Künsten und im aufkommenden Film spielte der Begriff der Avantgarde eine wesentliche Rolle.</p>
	<p>Allen avantgardistischen Kunstbewegungen waren bestimmte Konstitutions- und Funktionsprinzipien gemein. Sie können zusammengefasst werden als radikale Abkehr von gewohnten Motiven und Techniken, Inszenierung des Neuen durch den Schock, der die dominierende didaktische Rolle spielte, Einführung neuer Kategorien und Denkweisen und vor allem die Stimulans beim Publikum, dass Kunst praktische Folgen haben müsse. Paris, Zürich, Berlin, München und Moskau waren die Zentren für Dadaismus, Kubismus, Konstruktivismus, Expressionismus, Surrealismus etc., die nach den beschriebenen Prinzipien den etablierten Kulturbetrieb durcheinander rüttelten und für eine Zeitenwende im modernen Leben sorgten. Das Kunstwerk wurde zu einem lebenspraktischen Akt, der das Potenzial in sich trug, die Welt zu verändern. Und alles, was die Kunst als autonomen Prozess des bürgerlichen Individuums ausgemacht hatte, wurde mit einem Schlag außer Kraft gesetzt. Plötzlich wurde von Kunstproduktion gesprochen und der Aufsatz Walter Benjamins mit dem Titel Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit mutet aus heutiger Sicht an wie eine Arbeitsstudie aus dem industriellen Zeitalter. </p>
	<p>Oskar Maria Graf beschreibt in einem seiner autobiographischen Romane, wie das Publikum im München jener Zeit reagierte, als in einer Schwabinger Galerie zum ersten mal Chagalls Blaues Pferd ausgestellt wurde. Schock und Empörung können nicht eindringlicher dargestellt werden. In der erst in den siebziger Jahren entstandenen Theorie der Avantgarde, die sich aus der Retrospektive noch einmal mit den revolutionären Kunstbewegungen auseinandersetzte, wurde der Schock als das Konstitutionsprinzip der Avantgarde überhaupt dargestellt. Und, darin besteht der Verdienst dieser Theorie, es wurde daraufhin und nachgewiesen, dass, sobald der Schock verflogen war, die Verwertungsprinzipien erfolgreich einsetzten, um den revolutionären Gedanken zu einem konsumierbaren Massenprodukt zu machen, ohne praktische Folgen versteht sich. Das galt für die historische Avantgarde genauso wie für die Beatles und den Punk, für Andy Warhol wie für Dos Passos. </p>
	<p>Seitdem, so scheint es, wurde der bewusst inszenierte Schock zu einer Art Vorbedingung für die spätere erfolgreiche Verwertbarkeit eines neuen Produktes. Alles andere gilt als langweilig und nicht spannend. Das Revolutionäre ist zumindest in diesen Segmenten der menschlichen Erfahrung dahin. Die technische Reproduzierbarkeit hat das Kunstwerk selbst abgelöst und das neue Kunstwerk ist die Blaupause, nach deren Launching durch ein Event die Serienproduktion einsetzen kann.
</p>
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		<title>Ein Steinbruch der Inspiration</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 06:14:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
	<category>music</category>
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		<description><![CDATA[	Brad Mehldau Trio. Ode
	Der 1970 in Florida geborene Brad Mehldau hat bereits einen langen und turbulenten Weg hinter sich. Nachdem er mit achtzehn Jahren nach New York City gegangen war und dort sein Klavierstudium intensiviert hatte, wurde die Jazzwelt bereits in den frühen neunziger Jahren auf ihn aufmerksam, als er zusammen mit Joshua Redman, der, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Brad Mehldau Trio. Ode</p>
	<p>Der 1970 in Florida geborene Brad Mehldau hat bereits einen langen und turbulenten Weg hinter sich. Nachdem er mit achtzehn Jahren nach New York City gegangen war und dort sein Klavierstudium intensiviert hatte, wurde die Jazzwelt bereits in den frühen neunziger Jahren auf ihn aufmerksam, als er zusammen mit Joshua Redman, der, genauso jung, aber ausgestattet mit dem Signet seines Vater Joshua, tourte und erfolgreich war. Das Brad Mehldau Trio wurde seine eigene Formation und es steht seit geraumer Zeit für den singulären Zugang Mehldaus zum Jazz. Zusammen mit dem Schlagzeuger Jeff Ballard und dem Bassisten Larry Grenadier nahm das Trio in den letzten Jahren verschiedene Live-Alben auf. Ode ist seit langer Zeit die erste Studio-Konzeption.</p>
	<p>Laut Brad Mehldau handelt es sich dabei um Kompositionen, die ihm immer mal wieder eingingen, vor allem in Form von Hommagen an existierende oder fiktive Personen. Niederschlag finden die Oden an reale Personen auf der CD bei den Stücken M.B., d.i. der Ausnahmesaxofonist Micheal Brecker, der mehr als ein Jahrzehnt jenseits aller Trends als state of the art galt, Wyatt´s Eulogy for George Hanson, einem Charakter aus Easy Rider und Kurt Vibe, als Referenz an den Gitarristen Kurt Ronsenwinkel. </p>
	<p>Mit dem Titel Ode greift Mehldau, man könnte sagen, wie soll es auch anders sein, ein spirituelles Genre aus der europäischen Klassik auf, um wieder einmal auf seinen Bezug zu diesem Erbe zu verweisen. Denn dass die europäische Klassik Mehldau und seine Spielweise geprägt hat, steht außer Zweifel. Und dass es ihm gelingt, die wesentlichen Techniken und mentalen Zugänge, die der Klassik entsprechen, in die Sauerstoffsphären des amerikanischen Jazz zu transportieren, verdankt er zum einen den kongenialen Avancen seiner Mitspieler Ballard und Grenadier und zum anderen seinem eigenen transatlantischen Erbgut, das vor allem der binären Intuition eines Oscar Peterson entspringt. </p>
	<p>Bei Ode handelt es sich um eine sehr variantenreiche Sammlung von Einzelstücken, die sich allesamt erstklassig und auf hohem Niveau bewegen. M.B., das erste Stück, vollbringt  das quasi Unmögliche, indem das Trio Tunes und Melodielinien intoniert, die aus Tales from the Hudson, dem wohl besten und wirkungsvollsten Album Micheal Breckers entstammen könnten. Und was kann eine Ode besser vollbringen, als die Sehnsucht nach einem Einsatz Breckers mit dem Tenor zu erzeugen. In Ode selbst dominiert das klassische Framing, das nur leicht verfälscht wird durch die beschwingte Leichtigkeit der amerikanischen Interpretation, 26 ist eine rhythmische Referenz an den Bebob, die akzentuiert ist durch das Einschieben von Akkorden, die an Duke Ellington erinnern und sich so gar nicht an den Hochgeschwindigkeitsexzessen vergangener Tage berauschen und auch bei Twiggy wird man das Gefühl nicht los, sich in einer Brecker-Komposition zu bewegen.</p>
	<p>Bei Ode handelt es sich um ein Werk der Extravaganz, das intensiv mit unterschiedlichen Aspekten lockt, die man erst bei immer wieder unternommenen Hörversuchen entdeckt. Es ist ein Album, das man sich nicht leid hören kann. Ein Steinbruch der Inspiration.
</p>
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		<title>Strickjacken und Trivialapplikationen</title>
		<link>http://tanjungpriok.blogsport.de/2012/05/10/strickjacken-und-trivialapplikationen/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 04:34:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
	<category>daily stuff</category>
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		<description><![CDATA[	In gewisser Weise ist das Bedürfnis nach einer neuen Politik verständlich. Nach der Studentenrevolte Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrtausends und den daraus resultierenden Mendelschen Derivaten in Terrorismus, Biedermeier und Reformanpassung hat sich qualitativ nicht mehr viel getan. Die Grünen waren der einzige nennenswerte Gegenentwurf zum damals im Parlament vertretenen Spektrum und sie haben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>In gewisser Weise ist das Bedürfnis nach einer neuen Politik verständlich. Nach der Studentenrevolte Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrtausends und den daraus resultierenden Mendelschen Derivaten in Terrorismus, Biedermeier und Reformanpassung hat sich qualitativ nicht mehr viel getan. Die Grünen waren der einzige nennenswerte Gegenentwurf zum damals im Parlament vertretenen Spektrum und sie haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten etabliert und integriert. Revolutionär war ihre Politik nie, sie hat jedoch Aspekte mit in die politische Programmatik aufgenommen, die bis dato tabuisiert worden waren. Heute ist diese Partei nicht minder systemimmanent wie die CSU, plädiert sie doch für Staatsinterventionismus auf der ganzen Linie und geht einher mit der Aura der moralischen Erleuchtung.</p>
	<p>Interessant ist, wie Völker ihre jeweilige politische Erneuerung gestalten. Die Grünen sind deshalb ein gutes Beispiel für den Weg, den man in Deutschland radikal geht. Es ist der einer eher irrationalen Verweigerung, eine Mahnung an die alten Werte der Argrargesellschaft. Baldur Springmann, Erbe einer Industriellenfamilie und späterer Bauer der Schollenideologie, war keine Ausnahme, sondern ein Vertreter der Massenbasis der politischen Erneuerung in der Bundesrepublik, der andere Flügel der Grünen kam aus der maoistischen Studentenbewegung wie Jürgen Trittin, der dem Kommunistischen Bund Nord entsprang. Dieses Gemisch war in einem konsistent, dem Dogmatismus, ein anderer politischer Konsens war nicht in Sicht. Heute ist die Partei das Signet für den bildungsbürgerlichen Ökologismus, eine nicht zu unterschätzende Note des Mittelstandes.</p>
	<p>Nun, nach und während der Weltfinanzkrise von 2008, kommt in der zeitgenössischen deutschen Republik abermals eine Gruppierung in den Fokus der notwendigen Erneuerung, die den Konstitutionsprinzipien den Grünen der achtziger Jahre ähnelt. Es sind die Piraten, deren Wesensmerkmal beschrieben ist mit ihrer Jugend und der Affinität zur Welt der digitalisierten Kommunikation. Das allein ist keine politische Qualität an sich. Es macht aber keinen Sinn, weder am Beispiel der Grünen damals noch dem der Piraten heute, diese Parteien zu kritisieren, weil sie keine fundierte politische Programmatik aufweisen. Ihre Relevanz entsprach und entspricht dem Zuspruch, den sie bei Wahlen erhalten.</p>
	<p>Und das führt zu einem Punkt, den man den neuralgischen nennen könnte. Was treibt ein Volk, das Kritik am existierenden politischen System und seinen Vertretern formulieren will, dazu, auf ein Amalgam aus Holzpantinen und Humusboden da, oder Strickjacken und Trivialapplikationen hier, oder generell aus Irrationalismus und Rückständigkeit zu setzen? Die Krise der Demokratie, die nicht solitär in Deutschland zu herrschen scheint, ist gekennzeichnet durch Überdruss am Herrschenden und Suche nach Neuem. In den Niederlanden sehen wir eine Wendung zum Wertkonservatismus, in Frankreich und Griechenland gegenwärtig einen Trend sozialistisch-unionistischer Allianzen, nur in Deutschland hat man den Eindruck, dass der anti-autoritäre Reflex das einzige bleibt, was an politischem Unmut formuliert wird.</p>
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		<title>Bitter End in Psychiatry</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 05:28:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
	<category>recensions</category>
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		<description><![CDATA[	Richard Yates, who was born 1926 in Yonkers, New York and died 1992 in Birmingham, Alabama, seemed to be a writer who described his own career by the titles of his books. Firstly not recognized as an artist of high quality, his narratives and prose fiction became suddenly highly appreciated, to be forgotten later on [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Richard Yates, who was born 1926 in Yonkers, New York and died 1992 in Birmingham, Alabama, seemed to be a writer who described his own career by the titles of his books. Firstly not recognized as an artist of high quality, his narratives and prose fiction became suddenly highly appreciated, to be forgotten later on and rediscovered decades later. His novel Disturbing the Piece, edited in 1975, belongs to the hallmarks of the mentioned titles with a more than mono-thematic sense. After Revolutionary Road (1961), which gave Yates a lot of attention, he was almost forgotten in the seventies and he indeed disturbed the piece of a society already rattled by a cultural revolution but still hold in its social grid irons. Only in the last decades some kind of renaissance came up, caused by the shaken consciousness of a middle class in deep turmoil.</p>
	<p>Disturbing the Peace, acting in New York and later Hollywood in the sixties is referring to the upcoming unease of members of the lower middle class, living in standardized suburbs, earning enough money to participate in the progress of society but working in jobs which spend money but no sense at all. The protagonist, John Wilder, employed in advertisement, married to a nice woman and father of a son, shapes his rebellion by alcohol abuse. In one of these cases he ends up in New York Bellevue psychiatric hospital where he faces the possible consequences of his escapades. Deeply traumatized by the treatment there, he starts visiting doctors and joining meetings of the AA. Nonetheless it does not stop him drinking too much. During a business encounter he meets a nice young girl, wealthy by birth and 16 years younger. The affair brings her to the idea to make a movie about of Wilders experience at Bellevue. During the production Wilder has a breakdown.</p>
	<p>After he is released and back in New York the young girl leaves him because she is going with a ghost writer of Robert Kennedy (which was a step in the real career of Richard Yates!) to Washington. Wilder is disappointed but re-establishes his marriage and continues to drink heavily until the girl comes back and tells him that she quit the relation to the writer, met her father who is rich and who gave her all the money they want to produce the movie in Hollywood. Wilder quits his job and leaves his family to go with the girl to Hollywood where they have a good start with an agent but where his alcohol abuse is facing a new dimension. The girl leaves him finally and he ends up in California psychiatry where he will never be released again.</p>
	<p>The most indicating thesis behind the narrative structure seems to have more than one message. Firstly the shape of the existence of middle class has a deep contradiction in itself: It can deliver a better kind of living in a material way, but lacks in giving more sense. Secondly revolting in using drugs is a lethal illusion. And finally society is closing you up in a madhouse if you do not accept the rules of social piece and convention. If one wants to get an authentic impression of the roaring seventieth in western civilization the book will be a magnificent choice.</p>
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		<title>Der Fall aus der Zeit</title>
		<link>http://tanjungpriok.blogsport.de/2012/05/06/der-fall-aus-der-zeit/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 06:38:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
	<category>daily stuff</category>
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		<description><![CDATA[	Es waren deutsche Emigranten, genauer gesagt diejenigen, die man später als das politische Exil bezeichnete, die diese Redewendung prägten. Sie beschrieben damit das, was sie selbst erlebt hatten. Standen sie doch, als Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Sportler oder Unternehmer mitten im Leben, wie man so treffend ausdrückt, ehe die faschistische Bewegung kam, die Macht erlangte und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Es waren deutsche Emigranten, genauer gesagt diejenigen, die man später als das politische Exil bezeichnete, die diese Redewendung prägten. Sie beschrieben damit das, was sie selbst erlebt hatten. Standen sie doch, als Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Sportler oder Unternehmer mitten im Leben, wie man so treffend ausdrückt, ehe die faschistische Bewegung kam, die Macht erlangte und sie vor die Wahl stellte, entweder alles aufzugeben und zu fliehen oder zu bleiben und in absehbarer Zeit vernichtet zu werden. Wenn ihnen die Flucht gelang, waren sie wie abgeschnitten vom weiteren Leben in ihrem eigenen Land, während sie in anderen Welten sich ein neues, anderes Leben unter dramatisch anderen Umständen erkämpfen mussten, ging dasjenige in ihrer alten Heimat weiter. Doch sie waren abgeschnitten und die dort Verbliebenen trauten sich oft nicht, Kontakt zu den Emigranten zu halten, weil es lebensgefährlich war dieses zu tun.</p>
	<p>Folglich saßen die Emigranten in Marseille und Lissabon, wo sie auf Schiffspassagen in die Freiheit warteten, oder sie hatten es geschafft und waren bereits in New York oder Buenos Aires. Sie hatten alles aufgegeben und kamen in eine neue Welt, die mit der alten wenig zu tun hatte. Nach schon wenigen Jahren konnten sie nicht mehr verstehen, was in dem Land geschah, aus dem sie selbst kamen. Sie sprachen zunehmend vom Fall aus der Zeit, um diesen Zustand der Verständnislosigkeit zu beschreiben, der ihnen als das Schlimmste galt, was ihnen das Exil zumutete. Schrieb man seitdem dem zumeist politischen Exil diesen Preis der Extraktion aus der eigenen kulturellen Identität zu, so muss heute eine Entwicklung hinzugeschrieben werden, die an sich und aus sich selbst heraus zunächst als eine zivilisatorische betrachtet wird.</p>
	<p>Es handelt sich hierbei um die die Folgen stetig sinkender Halbwertzeit technischer Innovation. Immer kürzer werden die zeitlichen Abstände zwischen den technisch aufeinander folgenden Lebenswelten. Röhre, Transistor und Chip sind in Rückbetrachtung alles Vorherigen historische Dimensionen, die aufgrund ihrer Folgen für die praktische Lebenswelt als Erscheinung jeweils allein ein Jahrhundert hätten prägen müssen. Stattdessen teilten sie sich eines und stellten die Menschen vor Anpassungsleistungen, die ihrerseits immens waren. Mit diesen jeweiligen Aufwendungen wuchsen die Ängste, diesem irgendwann nicht mehr gewachsen zu sein.</p>
	<p>Das wäre nichts Neues, wenn sich die Versagensängste vor dem technischen Fortschritt und seinen Folgen nicht auch bezögen auf die praktische Kritik an ihren Wirkungen. Dann das System der chronischen Verwertung ist ein aggressives und bescheinigt mittlerweile jedem, der technische Innovationen, die auf dem Markt erscheinen, wegen ihrer politischen, gesellschaftlichen, pädagogischen oder kognitiven Folgen kritisiert, als historisch abgelaufenes Exemplar. Mit diesem Stigma ist man jedoch aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Daher versuchen alle, die auch nur halbwegs kritisch zu denken vermögen, diesen Eindruck zu vermeiden und schicken jeder auch nur der Kritik verdächtigen Formulierung die Beschwörung voraus, man lebe in einer vor allem aufgrund der technischen Neuerungen gesegneten Zeit. </p>
	<p>Es ist ein schlechtes Zeichen, weil es einen absoluten Anspruch dokumentiert, der hinter dem technologischen Komplex steht, der unsere Lebenswelten dominiert. Die Androhung mit dem Fall aus der Zeit, mit der Entkoppelung vom gesellschaftlichen und kulturellen Leben allein reicht aus, um vehemente Kritik zu formulieren und das totalitäre Denken politisch zu attackieren.</p>
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		<item>
		<title>Applikationen zur Zertrümmerung des kognitiven Apparates</title>
		<link>http://tanjungpriok.blogsport.de/2012/05/04/applikationen-zur-zertruemmerung-des-kognitiven-apparates/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 06:34:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
	<category>daily stuff</category>
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		<description><![CDATA[	Insbesondere die jüngsten Theorien über die Typisierung des Menschen als primordial soziales Wesen sollten beunruhigen. Über allem, was unsere Gattung ausmacht, steht das Bedürfnis, sich in einer sozialen Organisation zu definieren. Alles andere, so sind sich Soziologen, Sozialpsychologen und Psychologen zunehmend einig, spielt eine eher untergeordnete Rolle. 
	Grundlage für die Handlungsfähigkeit sozialer Wesen ist die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Insbesondere die jüngsten Theorien über die Typisierung des Menschen als primordial soziales Wesen sollten beunruhigen. Über allem, was unsere Gattung ausmacht, steht das Bedürfnis, sich in einer sozialen Organisation zu definieren. Alles andere, so sind sich Soziologen, Sozialpsychologen und Psychologen zunehmend einig, spielt eine eher untergeordnete Rolle. </p>
	<p>Grundlage für die Handlungsfähigkeit sozialer Wesen ist die soziale Erfahrung. Letztere sammeln wir in direkten, unmittelbaren Sozialkontakten, aus denen wir unsere Schlüsse ziehen. Wir lernen, welche Reaktionen wir auf unser eigenes Agieren und Verhalten erhalten und wir beobachten, wie wir auf das Verhalten Anderer reagieren. Daraus sammeln wir soziale Erfahrungen, die sich auf unser zukünftiges Verhalten wiederum auswirken. </p>
	<p>Analog ist es mit den Räumen, in denen wir uns bewegen. Betreten wir uns unbekanntes Terrain, so müssen wir es erkunden. Wir machen dieses durch Beobachtung von Objekten, denen wir uns nähern und wir machen dieses durch soziale Interaktion, in dem wir andere Menschen fragen, wie wir uns bewegen müssen, um zu unserem Ziel zu kommen. Indem wir das tun, erfahren wir wiederum einiges über die Menschen, die hier leben, arbeiten und den kulturellen Stil dieser Geographie prägen. </p>
	<p>Erkenntnisse, die es wert sind, als solche bezeichnet zu werden, haben etwas zu tun mit einem Prinzip von Try and Error im Kontext einer sozialen Interaktion. Unser kognitiver Apparat verarbeitet das Unmittelbare des sozialen Kontaktes nicht nur in einer ganz andren Intensität, vor allem was das Prägende und das Erinnerungsvermögen betrifft. Nein, das Direkte im menschlichen Kontakt sorgt auch dafür, dass sich so etwas wie Intuition herausbildet. Ein Instinkt und Einfühlungsvermögen, wie sich etwas auf das soziale Empfinden derer auswirkt, mit denen wir zu tun haben.</p>
	<p>Die Entwicklung so genannter Apps, mit denen uns zuerst die Apple-Welt überzogen hat, ist zunehmend darauf angelegt, uns alles zu ersparen, was uns vor allem in fremder Umgebung sonst nur auf dem Weg eines sozialen Lernprozesses zuteil geworden wäre. Bist du in einer fremden Stadt, so klickst du Apps an, um Sehenswürdigkeiten genannt, den Weg beschrieben, Toiletten geortet, Restaurants empfohlen zu bekommen. Seitdem werden Menschen gesichtet, die in ihnen fremden Städten nicht mehr offenen Blickes, das Gespräch suchend durch die fremde Umgebung flanieren, sondern mit einem Smartphone in der Hand, den Blick auf das Display gerichtet, robotergleich und gebückten Schrittes an ihre vermeintlichen Ziele kommen.</p>
	<p>Wenn sie danach von der fremden Umgebung berichten, dann erzählen sie, sie hätten dank der Apps alles gleich gefunden und der Hamburger sei o. k. gewesen. Da hat sich dann keine kulturelle Dimension mehr erschlossen. Großartige Programme, zur Zertrümmerung des kognitiven Apparates. Die schöne neue Welt war wohl schon gestern.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Von Kafkas Process bis zu heutigen Evaluierungsorgien</title>
		<link>http://tanjungpriok.blogsport.de/2012/05/01/von-kafkas-process-bis-zu-heutigen-evaluierungsorgien/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 May 2012 07:21:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[	Christoph Bartmann. Leben im Büro. Die schöne neue Welt der Angestellten
	Endlich ein Buch, das sich mit der rasanten Entwicklung des Büros in den letzten Jahrzehnten beschäftigt. Vie Menschen, die heute noch in Verwaltungen unterwegs sind, haben in ihrer eigenen Berufsbiographie noch Verhältnisse erlebt, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Erst vor ca. 25 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Christoph Bartmann. Leben im Büro. Die schöne neue Welt der Angestellten</p>
	<p>Endlich ein Buch, das sich mit der rasanten Entwicklung des Büros in den letzten Jahrzehnten beschäftigt. Vie Menschen, die heute noch in Verwaltungen unterwegs sind, haben in ihrer eigenen Berufsbiographie noch Verhältnisse erlebt, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Erst vor ca. 25 Jahren zogen die ersten Computer in den normalen Verwaltungsalltag ein und mit ihnen vollzog sich nicht nur eine technische, sondern auch eine semantische Revolutionierung dessen, was wir Büroarbeitsplatz nennen.</p>
	<p>Christoph Bartmann, seinerseits Germanist, Historiker und Direktor des New Yorker Goethe-Instituts, hat mit Leben im Büro. Die schöne neue Welt der Angestellten ein Buch geschrieben, dessen Tiefgang in hohem Maße beeindruckt und das voller Beobachtungen steckt, die eine Reflexion rechtfertigen. Am stärksten wirken die Passagen über den Wandel des Büros. Max Weber, Freud, Kafka, Foucault und Tony Blair werden unter die Lupe genommen. Sie werden durchleuchtet unter dem Aspekt  eines grundlegenden Paradigmenwechsels vom Government, welches eine demokratisch legitimierte Regierung von außen auf die Verwaltung ausmachte, zu den existierenden und erstrebten Formen von Governance, welches eine durch die Bürokraten internalisierte, mentale Identifikation mit dem darstellt, was gute Regierung ausmacht. </p>
	<p>Bartmanns Kritik wird besonders harsch, wenn er sich der diesen grundlegenden Paradigmenwechsel vermittelnden Branche der Berater widmet, die jedes Verwaltungshandeln in Management umdeuten und einen Aufwand betreiben, der als so genannte Transaktionskosten in keinerlei Relation zum Nutzen steht. Die Neue Steuerungslehre wie Change-Vorhaben erfahren eine nahezu vernichtende Kritik, weil sie die grundlegenden Werte von Verwaltung außer Kraft setzen und sich mehr mit Prozessen und sich selbst beschäftigen, als mit Resultaten.  </p>
	<p>Quasi als Appendix erscheinen Abhandlungen über den Burnout als kollektive Krankheit des neuen Managementtypus und die Raumkrise des Neuen Büros, das als Aktionsraum mehr auf Transitstationen wie Flughäfen und in Zügen stattfindet als in der Architektur sozialer Vertrautheit. Bartmanns Schlussfolgerungen sind im Vergleich zu der Brillanz seiner Analysen eher lau, man gewinnt den Eindruck, als sehne er sich nach dem alten Büro zurück, in dem der Stillstand Zeremonienmeister war. </p>
	<p>Das ist enttäuschend, schmälert aber nicht die guten Gründe für eine Empfehlung, weil sie das tiefe Unbehagen auch derer treffen, die sich für Änderungen in der Navigation von Verwaltungen aussprechen und dem Umstand Rechnung tragen wollen, dass Verwaltung im Spannungsfeld der Globalisierung einerseits eine Konstante in der Wahrung politischer Werte sein sollten, andererseits aber in der Lage sein müssen, temporäre Arbeitsallianzen mit heterogenen Partnern zum Erfolg zu führen. Wer im Appendix des Auswärtigen Amtes das neue Management erlebt, der kann keinen Eindruck von der Dynamik bekommen, die der Wandel woanders mit sich bringt. Ein sehr gutes Buch, das zum Nachdenken anregt und mit Blick auf die Zukunft eigene Überlegungen unbedingt erfordert.</p>
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		<title>Der Mehltau des Konformismus</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 06:21:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
	<category>daily stuff</category>
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		<description><![CDATA[	Mal ehrlich gefragt: Gibt es eigentlich in irgend einer Sphäre unseres gesellschaftlichen Daseins noch eine Form der scharfen Kritik? Egal, welches Terrain man abschreitet, ob es die Innen-, die Außen-, die Sozial-, die Energie- oder die Umweltpolitik betrifft, im Großen und Ganzen bewegen wir uns in einem Mainstream, der definiert ist aus einem eher religiös [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Mal ehrlich gefragt: Gibt es eigentlich in irgend einer Sphäre unseres gesellschaftlichen Daseins noch eine Form der scharfen Kritik? Egal, welches Terrain man abschreitet, ob es die Innen-, die Außen-, die Sozial-, die Energie- oder die Umweltpolitik betrifft, im Großen und Ganzen bewegen wir uns in einem Mainstream, der definiert ist aus einem eher religiös zustande gekommenen Konsens. Das, was wir eingedeutscht die politische Korrektheit nennen, basiert auf einer moralischen Positionierung, die bestimmt, bis wohin wir mit unserem Denken noch gehen dürfen, ohne die kuschelige Wärme der Gemeinschaft zu verlieren drohen. Dissens konzentriert sich auf Nuancen, Grundlegendes wird nicht mehr ausgefochten.</p>
	<p>Es scheint so zu sein, dass vor allem die letzten beiden Jahrzehnte zu einer Befriedung der Gesellschaft beigetragen haben. Und vieles deutet darauf hin, dass nicht irgend eine Macht von oben oder außen für den standardisierten Konsens und die Unfähigkeit zur Opposition gesorgt haben, sondern die Gesellschaft selbst. In den  Gesellschaftswissenschaften betitelt man den zu beobachtenden Prozess als die Entwicklung vom Government zu Governance. Bezeichnet Government noch eine Form der Regierung, an die seitens des Volkes Macht delegiert wird, die dann von den Gewählten begrenzt auf Zeit ausgeübt wird, so ist Governance das, was quasi als korrekte Haltung von Jedermann  eingespielt und verinnerlicht wird. Es ist der mentale Käfig, in den das rebellionsfähige Subjekt des Homo sapiens geboren wird. Macht von außen ist kaum noch nötig, um die Gesellschaft zu befrieden. Die Herrschaft findet im eigenen Kopf statt und wenn man so will, ist die political correctness das Über-Ich unserer Tage geworden. Und die heutigen Individuen sind nicht robuster als die ersten Patienten Siegmund Freuds bei dem Versuch, sich gegen dieses Über-Ich zu erheben.</p>
	<p>Man sollte die Verdrossenheit über Politik nicht immer an der schlechten Lebensführung des einen oder anderen Politikers festmachen. Das greift viel zu kurz. Vielmehr scheint es nahezu logisch, den Überdruss an dem politischen Geschäft und Gewese darin zu suchen, dass tief greifende, die Existenz des Systems betreffende Kritik gar nicht mehr gedacht werden kann. Die Reaktionen auf bloße Ansätze einer solchen Kritik sind folglich nicht rational und logisch, sondern neurotisch und psychopathologisch. Kritik wird nicht genommen als der Versuch, schlechte Entwicklungen in gute umzuwandeln, sondern als Anschlag auf die wohlige Befindlichkeit des Konsenses.</p>
	<p>Trotz steter Beschleunigung und rasenden Innovationszyklen hat sich unsere Gesellschaft in eine furchtbar langweilige Veranstaltung verwandelt, in der nichts Wesentliches mehr Gegenstand der Auseinandersetzung wird. Eine Art Mehltau des Konformismus hat sich über alles gezogen, irgendwie haben wir uns alle lieb und es fehlt die Courage, die wirklich politisch verwerflichen Erscheinungen noch anzusprechen, geschweige denn zu bekämpfen. Wenn man zeigen will, dass man ein toller Demokrat ist, dann ist der Betrachtungsfall immer sehr weit weg, irgendwo in China oder Chile, aber nicht in Rosenheim oder Berlin. Die Sehnsucht nach Zeiten, in denen politische Protagonisten Politik noch als eine Art Kampfsport betrachtet haben, ist folglich sehr logisch. Und auch das Auftauchen einer Partei wie die der Piraten ist allenfalls eine Aufführung einer komischen Oper, in der beobachtet werden kann, wie die Aktionsmuster der heutigen Grünen denen derer gleichen, die damals gegen sie reagierten. Um die Fragen von Herrschaft und Besitz, den nach wie vor zentralen Feldern von Politik, geht es freilich nie. Wie denn auch!</p>
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		<title>Ein starkes Plädoyer für die Freiheit der Konzeption</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 00:05:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Administrator</dc:creator>
		
	<category>music</category>
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		<description><![CDATA[	Branford Marsalis Quartet. Four MFs Playin&#8216; Tunes
	Wenn Branford Marsalis ein Album aufnimmt, dann kann man sicher sein, musikalisch, konzeptionell und tontechnisch etwas auf sehr hohem Niveau zu bekommen. Kurz nach der CD, die er exklusiv mit dem Pianisten Joe Calderazzo eingespielt hat und die durch das nahezu blinde Verständnis von zwei Ausnahmesolisten bestach, wartet das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Branford Marsalis Quartet. Four MFs Playin&#8216; Tunes</p>
	<p>Wenn Branford Marsalis ein Album aufnimmt, dann kann man sicher sein, musikalisch, konzeptionell und tontechnisch etwas auf sehr hohem Niveau zu bekommen. Kurz nach der CD, die er exklusiv mit dem Pianisten Joe Calderazzo eingespielt hat und die durch das nahezu blinde Verständnis von zwei Ausnahmesolisten bestach, wartet das Branford Marsalis Quartet nun mit Four MFs Playin´Tunes auf. Der Titel suggeriert zum Erstaunen derer, die Marsalis-Produktionen gewohnt sind, dass konzeptionell zunächst wenig Substanzielles zugrunde liegt. Doch der erste Eindruck täuscht gewaltig. </p>
	<p>Mit den Titeln The Mighty Sword und Brews, die die Einspielungen einleiten, wird spirituell nichts Neues geboten. Die rauen und immer etwas reibungsvollen Dialoge zwischen Calderazzo und Marsalis erhalten dadurch eine etwas ungewohnte Note, als dass sie durch den exklusiven Gebrauch des Soprans etwas Verspieltes bekommen, das dazu animiert, weiter zu hören. Bis auf wenige Ausnahmen bleibt Marsalis beim Sopran und auch bei dem Stück Maestra ist zu sehen, dass der lyrische, von der europäischen Klassik geprägte Ton bei diesen Aufnahmen dominieren wird. </p>
	<p>Branford Marsalis hat sich dezidiert nicht nur zur europäischen Klassik, sondern sogar zu Wagner bekannt und immer wieder betont, dass er das Konzeptionelle daran schätzt und die politische Kontaminierung willentlich ignoriert. Das mag manchen nicht schmecken, dokumentiert aber eine innere Freiheit, die diejenigen, die glauben, in einem Genre bleiben zu müssen, nicht besitzen und diese reduziert. Die Tunes, die gespielt werden und so lapidar daher kommen, haben es in sich, weil sie, wie bei Mirth and Melancholy auch, hartnäckig an der Idee einer transatlantischen musikalischen Fusion festhalten. Dass mit mit dem Stück Teo der moderne amerikanische Duktus eines Thelonious Monk quasi als Antipode zu den vorher präsentierten klassisch-europäischen Etüden gesetzt wird, zeugt von dem unbändigen Selbstbewusstsein Branford Marsalis, der diesmal das Tenor in der Rustikalität eines Sonny Rollins intoniert und Joe Calderazzos, der die Akkorde in kosmischen Dimensionen akzentuiert. </p>
	<p>Auch mit Whiplash folgt eine Sequenz des Hardbob, die in genialer Inszenierung der Hommage an Monk folgt. Danach kehrt das Quartett zurück zu lyrischen Einspielungen, die allerdings nicht zu den Mustern der europäischen Klassik zurückkehren, sondern in starker Weise auf ihre teils auch nostalgische Verfremdung in den USA hindeuten. Und Besonders der Standard My Ideal kann als ein verschmitzter Fingerzeig auf die Weichspülung nahezu mathematischer Musikkonzepte europäischer Provenienz durch die Emotionalität der Neuen Welt gedeutet werden. </p>
	<p>Four MFs Playin´Tunes ist nicht nur eine hochklassige Vorstellung des zeitgenössischen Jazz, sondern auch ein überaus starkes Plädoyer für die Freiheit der Konzeption in Anlehnung an alles, was der Inspiration dienlich ist. Die Offenheit Banford Marsalis hat das Ausmaß eines Miles Davis erreicht. Und dass das Quartett nun einen neuen, jungen Schlagzeuger hat, dessen Dynamik und Feinfühligkeit den Jazz der nächsten Jahrzehnte mit prägen wird, ist ein Geheimnis, das sich schnell herumsprechen wird.
</p>
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